Cleo Lavalle ist eins von vier Pseudonymen, unter denen Helga Baureis bisher 60 Liebesromane veröffentlicht hat, teilweise mit Top 10 und Top 100-Platzierungen bei Amazon, darunter auch ein BILD-Bestseller.
Unter ihrem bürgerlichen Namen Helga Baureis hat sie 11 Ratgeber publiziert, 10 davon bei Verlagen wie Heyne und Orell Füssli. Einer ihrer Ratgeber wurde in sechs Fremdsprachen übersetzt.
Helga Baureis ist ausgebildete Kinesiologin, Lernberaterin, Coach und Business-Coach. Sie hat 25 Jahre lang eine eigene Praxis geführt. Dieses Wissen fließt nun gezielt in ihre neuen Romanprojekte ein.
Exposé
Arbeitstitel: Wo die Freiheit nach Rosmarin duftet
Autorin
Cleo Lavalle (Helga Baureis)
Prämisse
Nachdem Mariella nach Jahren im falschen Leben zusammenbricht, entdeckt sie in einem toskanischen Wellnesshotel, dass sie ihren Eltern nichts mehr beweisen muss und endlich das tun kann, was ihrem Wesen entspricht.
Name und Adresse der Autorin
Helga Baureis (Pseudonym Cleo Lavalle)
József Attila utca 13
8692 Szölösgyörök
Ungarn
E-Mail: Cleo_Lavalle@yahoo.de
Telefon: +36 30 295 8126
Vita
Helga Baureis arbeitete 25 Jahre lang in ihrer eigenen Praxis in Mannheim als Kinesiologin, Lernberaterin und Coach. Durch ihre Arbeit erschienen 9 Ratgeber bei Verlagen wie Heyne, Orell Füssli und Goldmann. „Kinder lernen leichter mit Kinesiologie“ wurde in sechs Fremdsprachen (z.B. Französisch, Ungarisch, Koreanisch) übersetzt. Außerdem veröffentlichte sie zwei Ratgeber im Selfpublishing bei Amazon.
Seit 2014 und vor allem nach ihrem Umzug 2016 nach Mallorca veröffentlichte sie bisher 60 Romane im Selfpublishing, darunter einige Top-10- und Top-100-Titel sowie ein BILD-Bestseller.
Diese Bücher sind unter verschiedenen Pseudonymen (neben Cleo Lavalle: Charlotte Love, Anabelle Wildbuch, Ann Wilde) in den Genres humorvolle Liebesromane, Dark Romance und Historicals (Regency) erschienen.
Bisherige Buchpublikationen (je Name bzw. Pseudonym ein Buch)
- „Wow, hast du abgenommen!“, Helga Baureis (66 Tage Top-100 bei Amazon, zuvor bei Oesch-Verlag)
- „2 Männer sind auch keine Lösung“, Cleo Lavalle (BILD-Bestseller)
- „Violet und der Duke“, Charlotte Love (Top-100, wochenlang Platz 1 in den Kategorien bei Amazon)
- „Wer sagt denn, dass es Sünde ist?“, Anabelle Wildbuch (Top-10 bei Amazon)
„Bad Xmas“, Ann Wilde (Top-100 bei Amazon)
(Screenshots von allen Büchern bzw. Rängen vorhanden)
Auftritte in den Medien
TV: Kochduell/VOX, Brisant/ARD, Ich wünsch mir was/SWR, Guten Abend, RTL/RTL, leben!/ARD einsplus
Rundfunk: Berliner Rundfunk, SWR4
Inhalt des Buches
Mariella (35) hat ihr Leben lang versucht, den Erwartungen ihrer akademischen Eltern gerecht zu werden. Auf Drängen ihres Vaters studiert sie Betriebswirtschaftslehre, statt eine Ausbildung zur Köchin zu absolvieren und somit ihre eigentliche Leidenschaft zu leben. Statt in einem Restaurant die Gäste zu verwöhnen, arbeitet sie als Assistentin der Geschäftsleitung und ist unglücklich dabei. Bewusst ist ihr das nicht, denn ihre Wünsche hat sie längst begraben. Doch dann zieht ihr Körper die Notbremse: Mariella bricht zusammen und muss eine Auszeit nehmen.
Sie kehrt nach Heidelberg zurück, wo sie aufgewachsen ist. Weil sie sich unbeeinflusst von anderen auf die Suche nach der Kreuzung machen will, an der sie falsch abgebogen ist, wohnt sie nicht bei Freunden oder ihren Eltern, sondern in einem kleinen Hotel in der Altstadt. Dort fällt sie Lotte auf, der Großmutter der jungen Besitzerin, die für eine wohlige Atmosphäre im Haus sorgt.
Lotte spürt sofort, dass Mariella ein tiefsitzendes Problem mit sich herumträgt und gibt ihr die ersten Impulse. Dadurch begreift Mariella: Die Antworten liegen nicht in der Vergangenheit, sondern darin, etwas Neues zu wagen. Als Lotte sie ihrem Neffen Leon vorstellt, der in Heidelberg einen Workshop abgehalten hat und kurz vor der Eröffnung seines Wellnesshotels in der Toskana steht, reist sie spontan mit.
Am Ziel angekommen, wirbelt der Start des Hotelbetriebes alles durcheinander. Mariella packt nicht nur mit an, sondern Leon, halb Deutscher, halb Italiener, gibt ihr Denkanstöße und einfache Techniken an die Hand, mit denen sie die vielen Stimmen von außen sortiert: die der Eltern, des Chefs und anderer Menschen in ihrem Leben, um endlich auf ihre Gefühle zu hören. Sie entdeckt ihre alte Liebe zum Kochtopf wieder und lernt, was wirklich für sie zählt.
Der Wendepunkt: Mariella kocht für die Hotelgäste und trifft ihre erste eigene Entscheidung.
Die Liebe kommt im letzten Drittel der Geschichte ins Spiel. Mariella entdeckt ihr Herz für ihren Mentor Leon, doch ein durch ihre Eltern verursachter Rückschlag stellt ihren neuen Lebensplan auf die Probe. Sie bleibt jedoch bei ihrer inzwischen entwickelten Stärke und somit sich selbst treu. Am Ende ist Mariella Restaurantleiterin und Köchin des Hotels und findet mit Leon zusammen.
Ton und Genre
Der Roman erzählt Mariellas Geschichte mit Witz und spritzigen Dialogen, lässt sie ihre Konflikte aber nicht weglächeln: Es geht um Überforderung, um zu viele Einflüsse von außen und um Selbstermächtigung.
Genre: Healing Fiction. Ein Glossar am Buchende kann (auf Wunsch des Verlages) die Techniken erklären, die Leon Mariella zeigt.
Bei Erfolg von Band 1…
… kann eine Reihe mit dem Hotel in der Toskana als festem Schauplatz entstehen. Jeder Band stellt eine neue Protagonistin in den Mittelpunkt, während die Geschichte der Hotelbesitzer durch die ganze Reihe weiterläuft. Die der Leserin durch Band 1 vertrauten Protagonisten Mariella und Leon bleiben der Reihe als Nebenfiguren erhalten. Das ist etwas, das die Leserin liebt.
Zielgruppe
Frauen jeden Alters, die sich vom Alltag überfordert fühlen und zu vielen Erwartungen von außen gerecht werden müssen. Frauen, die gerne Wohlfühlromane lesen und in einer Geschichte Trost, Mut und Impulse für das eigene Leben suchen. Das Italien-Flair und die heimelige Atmosphäre einer Küche, in der die leckersten Gerichte entstehen, sowie ein Happy End tun ihr Übriges.
Es sind Leserinnen der Healing Fiction, die Themen wie Selbstfürsorge, Loslassen und Selbstbestimmung schätzen, sie aber lieber in einer Geschichte als Inspiration erleben, anstatt in einem reinen Ratgeber Lösungsvorschläge zu finden.
Warum Cleo Lavalle / Helga Baureis die Richtige für dieses Thema ist
Romane schreiben, Ratgeber verfassen und Menschen helfend begleiten: Diese drei Erfahrungen bringt Helga Baureis unter dem Pseudonym Cleo Lavalle in das Genre Healing Fiction ein.
Nach acht Jahren auf Mallorca lebt sie derzeit in Ungarn. In Kürze wird sie nach Italien (Toskana oder Abruzzen) umsiedeln, was bedeutet, dass sie Land und Leute als jemand beschreiben kann, der täglich in das dortige Leben eintaucht.
Umfang
250-300 Seiten
Warum sollte die Leserin gerade dieses Buch wählen? (Konkurrenzanalyse)
Healing Fiction lebt bisher von kleinen Momenten und ruhigen Orten wie Cafés, Buchhandlungen und Gärten. Viele Titel, etwa „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ von Michiko Aoyama, sind Übersetzungen aus Ostasien. Melanie Pignitters „Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol“ verbindet Roman und Lebenshilfe mit Italien-Sehnsucht. Weitere Titel sind: „Das Leuchten der kleinen Momente“ von Sabine Steck und „Der Garten der kleinen Wunder“ von Patricia Koelle-Wolken.
Dieses Buch bietet der Leserin:
– eine deutschsprachige Geschichte mit Witz und Tiefgang,
– eine Protagonistin mitten im Leben, die für die Überforderung und den Erwartungsdruck steht, mit denen sich viele Leserinnen identifizieren können,
– die Toskana und das Kochen als Schauplatz, der Sehnsucht und Genuss verbindet,
– einfache Techniken aus 25 Jahren Praxis der Autorin, in die Handlung eingebettet und (auf Wunsch des Verlages) im Glossar erklärt,
– einen festen Ort, zu dem die Leserin in einer eventuellen Reihe zurückkehren kann.
Die Autorin platziert keine bezahlte Werbung, aber sie hat eine feste Fangemeinde bei Facebook und Instagram. Außerdem verschickt sie bei Neuerscheinung eines Buches eine Info an mehrere hundert Leserinnen aus ihrer Freundesliste auf Facebook und WhatsApp. Davon abgesehen gibt es einen Newsletter, dessen Mitgliederzahl sich derzeit auf 1.545 beläuft und kontinuierlich steigt. Durch regelmäßige Aktionen sorgt die Autorin für eine Leserinnenbindung.
Abgabetermin des fertigen Manuskriptes
Drei bis sechs Monate nach Vertragsabschluss.
Leseprobe
Alles zu viel?
Mein Wecker klingelt wie jeden Morgen um sechs Uhr. Im Halbschlaf strecke ich meinen Arm aus und taste mit den Fingerspitzen über das Tischchen neben meinem Bett, bis ich die Schlummertaste gefunden habe und mir noch ein paar Minuten Schlaf verschaffen kann.
Beim zweiten Klingeln würde ich gerne ein weiteres Mal drücken, doch das müsste ich später büßen, wenn mir die Zeit für eine Tasse Kaffee fehlen würde. Also setze ich mich seufzend auf und stelle fest, dass ich mich auch heute Morgen wieder müder fühle als gestern Abend beim Zubettgehen.
Mit einem erneuten Seufzer erhebe ich mich und schlurfe ins Badezimmer für meine übliche Morgenroutine, die aus Zähneputzen, Duschen, Schminken und Frisieren besteht.
Eine dreiviertel Stunde später stehe ich mit meiner Tasse am Wohnzimmerfenster und schaue in das satte Grün der Bäume am Rheinufer, die fast bis zum sechsten Stockwerk, in dem ich wohne, reichen.
Wenigstens scheint die Sonne, denke ich und hebe meinen Blick zum blauen Himmel, an dem sich ein paar winzig kleine Wolken tummeln.
Wie schön wäre es, wenn heute Samstag oder zumindest Freitag mit Aussicht auf das Wochenende wäre, damit ich so richtig lange ausschlafen könnte. Leider ist dieser Wunsch vergeblich, denn ich bin noch vier Tage davon entfernt.
Ich stelle die leere Tasse ins Spülbecken, gehe ins Schlafzimmer und schlüpfe in einen meiner tristen grauen Hosenanzüge, die in meiner Position Pflicht sind.
Inzwischen bin ich einigermaßen wach und greife rasch nach Tasche, Smartphone und Schlüssel, denn ich habe zu lange herumgetrödelt. Nachdem ich die Wohnungstür abgeschlossen habe, fahre ich mit dem Lift nach unten.
Da ich gestern das Glück hatte, einen Parkplatz direkt vor der Haustür zu finden, muss ich weder überlegen, wo ich mein Auto abgestellt habe, noch muss ich die Straße rauf- und runtereilen, um es zu finden.
So bin ich kurz nach halb acht an meinem Arbeitsplatz bei einem Familienunternehmen, das im großen Stil Industriefilter herstellt, und schalte den Computer ein.
Mein Chef ist noch nicht da, denn seine Bürotür steht offen. Aber er kommt meist recht knapp zum offiziellen Arbeitsbeginn um acht Uhr. Als Haupteigentümer kann er sich das natürlich erlauben.
Während der Computer hochfährt, gehe ich in die Miniküche, die zu den Büros der beiden Geschäftsführer gehört, und hole mir einen Kaffee. Vielleicht schafft es die zweite Tasse, auch noch den Rest meiner Müdigkeit zu vertreiben. Um 8.30 Uhr beginnt ein großes Meeting und da würde es keinen guten Eindruck machen, wenn ich ständig gähnen müsste.
„Guten Morgen, Mariella“, werde ich von der Sekretärin unseres zweiten Geschäftsführers begrüßt, als ich mir gerade die Tasse fülle.
„Guten Morgen, Heidi. Willst du auch einen?“
„Lieber nicht. Ich bin schon nervös genug“, antwortet sie und nimmt sich einen Teebeutel.
„Wieso? Was ist passiert?“
„Hat dir dein Chef noch nichts verraten?“
„Nein. Worum geht es denn?“
„Nun ja, beim Meeting nachher wird es ganz schön rund gehen.“
„Du sprichst in Rätseln. Kannst du mich bitte mal aufklären?“, frage ich mit einem leicht gereizten Unterton.
Heidi kostet gerne ihre Macht als Sekretärin eines der beiden Chefs aus, wenn es darum geht, mehr zu wissen als alle anderen und uns Neuigkeiten in Häppchen zu servieren. Oft steckt viel heiße Luft dahinter.
„Mariella, da sind Sie ja!“, werden wir von meinem Chef unterbrochen.
„Guten Morgen, Herr Gärtner“, begrüße ich ihn. „Möchten Sie einen Kaffee haben?“
„Ja, guten Morgen“, antwortet er und zupft sich am Ohrläppchen, wie er es immer tut, wenn er in Gedanken ist. „Bringen Sie mir den Kaffee bitte gleich in mein Büro.“
„Mach ich.“
„Sieht aus, als hätte er dir etwas Wichtiges zu sagen“, kommentiert Heidi grinsend und bevor ich darauf antworten kann, ist sie schon draußen.
Während ich den Kaffee durchlaufen lasse, ärgere ich mich darüber, ihr anvertraut zu haben, dass ich auf eine bessere Position in der Firma hoffe. Bis jetzt war es immer so, dass die Assistentinnen nach einer gewissen Zeit die Führung einer Abteilung oder zumindest einer Projektgruppe übernehmen durften.
Ich wurde bisher damit vertröstet, dass keine für mich passende Stelle zu besetzen sei und ich mich noch ein wenig gedulden müsse. Seitdem macht Heidi immer mal wieder eine unpassende Bemerkung, aber ohne entsprechenden Hintergrund.
So wird es auch dieses Mal sein, schmettere ich meine aufkeimende Hoffnung ab.
Das leichte Zittern meiner Hand, als ich Milch in den Kaffee gieße, verrät mich jedoch. Vielleicht ist heute endlich der Tag, an dem mein Chef mir ein Angebot macht?
Ich betrete sein Büro, stelle die Tasse vor ihm ab, setze mich ihm gegenüber an den Schreibtisch und lächle ihn an.
„Mariella, wir haben gleich unsere Besprechung. Ich bin es Ihnen schuldig, Sie vorher über das Thema zu informieren.“
„Aber das kenne ich doch, Herr Gärtner. Ich habe die Unterlagen zusammengestellt und schon auf dem Tisch verteilt.“
„Die können Sie wieder einsammeln. Heute geht es um etwas anderes.“
Unter seinem eindringlichen Blick fällt mein Lächeln in sich zusammen.
Also wieder einmal keine Beförderung, mache ich mir klar.
„Ich komme am besten gleich zur Sache! Es stehen große Veränderungen an. Seit unser Familienunternehmen auf den internationalen Markt drängt, sind wir in den Fokus verschiedener Private-Equity-Firmen geraten.“
Ich halte vor Schreck die Luft an, denn bei dieser Art von Firmen handelt es sich um Investmentgesellschaften, die Unternehmen aufkaufen, um deren Wert durch Kostenreduktion vor allem im Personalbereich zu steigern, um sie anschließend gewinnbringend wieder zu verkaufen.
„Sie wollen Ihr Familienunternehmen doch nicht an Heuschrecken abgeben?“, stoße ich hervor.
„Nun, so drastisch würde ich das nicht ausdrücken. Aber sehen Sie, Mariella: Ich habe mein Leben lang geschuftet, um die Firma zu der zu machen, die sie heute ist. Jetzt bin ich in einem Alter, wo ich es verdient habe, mich zur Ruhe zu setzen.“
Ich fühle mich, als hätte mir jemand einen Kinnhaken verpasst. Das kann er doch nicht wirklich ernst meinen.
„Jetzt starren Sie mich nicht so an. Ich habe mir die Entscheidung tatsächlich nicht leicht gemacht.“
„Ähm … ja“, presse ich hervor.
„Es sind noch keine Verträge unterschrieben.“
Erleichtert atme ich auf. Verträge können platzen.
„Doch meine Entscheidung steht fest. An einen der beiden Interessenten werden wir verkaufen.“
„An einen Kapitalhai! Gab es denn keine andere Möglichkeit?“
„Nein“, antwortet er knapp und sieht mich an, als würde er sich wundern, wie eine Angestellte dazu kommt, ihm solche Fragen zu stellen.
„Dann werden wir alle unsere Arbeitsplätze verlieren?“, frage ich mit heftig klopfendem Herzen.
„Sicher nicht alle. Der Käufer wird Personal benötigen, um den Betrieb weiterzuführen. Wer bleiben will, darf sich bewerben, wer lieber gehen will, bekommt eine schöne Abfindung.“
„Davon verliert er die Hälfte an das Finanzamt und sitzt hinterher auf der Straße.“
„Nun sehen Sie doch nicht alles so schwarz. Sie müssen sich keine Sorgen machen. Wenn Sie wollen, können Sie selbstverständlich bleiben. Jedoch nicht in Ihrer jetzigen Position. Dafür bringt die neue Führung ihre eigenen Leute mit. Ihnen würde man sicher eine Sachbearbeiterstelle anbieten.“
Sachbearbeiterin? Ich wollte ins Management und Personalverantwortung übernehmen. Dafür habe ich mich durch ein Betriebswirtschaftsstudium gequält und so lange hier als Assistentin ausgeharrt.
„Weil ich Sie sehr schätze, werde ich Sie den Käufern natürlich empfehlen, wenn ich auch ein wenig Bauchweh dabei habe.“
„Bauchweh?“, hake ich nach und spüre, wie meine Wangen vor Ärger heiß werden.
Sofort kommen mir die vielen unbezahlten Überstunden in den Sinn und wie ich mich in dieser Firma abgerackert habe, um zu zeigen, was in mir steckt. Ich bin selbst mit der stärksten Migräne noch an meinem Arbeitsplatz erschienen. So oft bin ich zur Toilette gerannt, weil ich mich wegen der verdammten Kopfschmerzen übergeben musste. Danach bin ich jedes Mal brav zurück an meinen Schreibtisch getrottet, um weiterzumachen, als wäre nichts gewesen. Ich kann die Mengen an Kopfschmerztabletten, die ich im Laufe der letzten Jahre eingeworfen habe, gar nicht mehr zählen.
Und all das nur, weil ich hoffte, für meinen Fleiß belohnt zu werden.
„Ja, ich habe Bauchweh. Ich beobachte Sie schon seit längerem und sehe, dass die Arbeit hier Sie nicht glücklich macht“, erklärt er.
„Da sehen Sie aber mehr als ich“, antworte ich patzig wegen dieser Einmischung in mein Leben.
Was geht es denn ihn an, ob ich glücklich bin oder nicht? Das ist einzig und allein meine Sorge.
„Ich habe mir ein Bein ausgerissen, um meine Arbeit so perfekt wie möglich zu erledigen. Wissen Sie eigentlich, wie oft ich als Letzte abends das Büro verlassen habe? Haben Sie mitgezählt, wie oft ich von Ihnen wegen einer Beförderung vertröstet wurde? Und nun soll es auch noch abwärts für mich gehen? Sachbearbeiterin? Bei meiner Qualifikation? Ich kann nicht glauben, dass Sie mir eine Degradierung als Alternative verkaufen wollen.“
Herr Gärtner beugt sich nach vorn und sieht mich eindringlich an.
„Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass es eine Arbeit geben könnte, die Ihnen mehr liegt?“
Ich muss mich sehr bemühen, ihn nicht anzufauchen. Meine Hände habe ich jedoch nicht im Griff. Die ballen sich zielstrebig zu Fäusten. Bevor ich meinem Chef etwas Böses an den Kopf werfe, erhebe ich mich lieber.
„Danke, dass Sie mich vorab informiert haben. Aber jetzt muss ich schnell die Unterlagen einsammeln.“
Er steht ebenfalls auf.
„Mariella, Sie wissen, dass ich Sie sehr schätze. Bitte denken Sie über meine Worte nach. Sie werden eine großzügige Abfindung bekommen, falls Sie sich entscheiden zu gehen. Ansonsten machen Sie eben das Beste aus der Situation. Wer weiß, was die Käufer für Sie vorgesehen haben, wenn sie erst einmal merken, was für eine gute Mitarbeiterin Sie sind.“
„Ich denke, ich habe lange genug darauf gewartet, dass man das bemerkt.“
Mit wackligen Knien verlasse ich sein Büro und als ich in den Besprechungsraum gehe, kämpfe ich mit meinem inneren Gleichgewicht. Es kommt nicht in Frage, dass meine Augen überlaufen. Weinen kann ich auch noch heute Abend, wenn ich zu Hause bin.
Ungewissheit
Als Herr Gärtner wenig später im Besprechungsraum die Bombe zündet und die Gruppen- sowie Abteilungsleiter darüber informiert, was die nächsten Schritte sein werden, zieht in meinem Kopf eine Migräne herauf.
Es beginnt wie immer mit der Aura, was bedeutet, dass mein halbes Sichtfeld blockiert ist und ich Blitze sehe. Wenn es schlimm kommt, wird meine linke Hand gefühllos und als Steigerung habe ich sprachliche Ausfälle. Das geschieht zum Glück nur selten, denn dann kann es passieren, dass ich etwas lese, ein Teil meines Gehirns weiß, dass ich die Wörter kenne, und dennoch habe ich keinen Zugriff auf den Bereich, in dem sich die Bedeutung versteckt. Manchmal ist es direkt eine Erleichterung, sobald ich mit dem Kopf über der Toilette hänge, auch wenn ich mich dabei sterbenselend fühle.
Bisher konnte ich diese Zustände mehr oder weniger vor meinem Chef und den Kollegen verbergen. Nur Heidi, die ihre Nase gerne in anderer Leute Angelegenheiten steckt, hat es manchmal mitbekommen.
Doch wozu sollte ich dieses Versteckspiel jetzt noch weiter durchziehen? In einer Firma, in der ich ohnehin keine Zukunft habe? Zumindest nicht die Zukunft, auf die ich die ganze Zeit hingearbeitet habe.
„Du bist so blass. Hast du wieder Migräne?“, fragt mich auch schon meine Kollegin.
Ich nicke und stehe auf.
„Entschuldigung“, presse ich hervor und verlasse den Raum.
In meinem Büro angekommen, gehe ich an den Schreibtisch, schlucke zwei Tabletten mit dem Rest Wasser, den ich noch im Glas habe und lasse mich auf meinen Stuhl sinken.
Wieso sitze ich überhaupt hier? Warum gehe ich nicht nach Hause und lege mich ins Bett, um die Migräne im Schlaf zu überstehen?
Ich muss nur warten, bis eine halbe Stunde um und die Aura vergangen ist, damit ich wieder richtig sehen kann und sicher Auto fahren kann. Bis dahin setzt auch die Wirkung der Schmerztabletten ein.
Und dann kann ich doch hierbleiben?, frage ich mich.
Aber meine innere Stimme wehrt sich gegen dieses Märtyrertum und so nehme ich ein Blatt Papier und schreibe meinem Chef, dass ich wegen starker Migräne nach Hause gehen muss und morgen wieder an meinem Arbeitsplatz sein werde.
Der wird sich wundern, denke ich, als ich das Büro verlasse.
Aber ist das jetzt noch wichtig?
***
Als ich die Augen aufschlage, erschrecke ich im ersten Moment, da ich befürchte, es sei Vormittag und ich hätte verschlafen. Ruckartig setze ich mich auf und bereue es sofort, weil in meinem Kopf ein Hämmerchen loslegt. Ich lasse mich wieder auf das Kissen sinken und schaue auf das Muster, das die Sonne durch die Rollladenritzen zeichnet.
In dem Moment überfällt mich die Erinnerung und keinen Wimpernschlag später gesellt sich mein schlechtes Gewissen dazu. Einfach abzuhauen … So etwas habe ich bisher noch nie getan.
Und trotzdem ist die Welt nicht untergegangen, stelle ich halb erstaunt, halb amüsiert fest und richte mich auf.
Ich schaue auf die Uhr. Halb zwei. Für einen Moment überlege ich, ob ich noch einmal in die Firma fahren soll. Doch dann verwerfe ich diesen Gedanken. Es war eine Art Befreiungsschlag, einfach zu gehen, ohne um Erlaubnis zu fragen oder zumindest jemandem Bescheid zu sagen, mal abgesehen von der kurzen Notiz an meinen Chef.
Ich stehe auf, fühle mich noch ein wenig wacklig auf den Beinen, und begebe mich dieses Mal etwas vorsichtiger in die Küche, um mir ein Glas mit Apfelsaftschorle zu füllen.
Dann setze ich meine Sonnenbrille auf, weil ich noch kein grelles Licht vertragen kann. Kurz darauf lasse ich mich unter der ausgefahrenen Markise in meinem bequemen Balkonsessel nieder und lege meine Füße hoch.
Ich lebe in einer sehr hübschen Wohnung im zweitbesten Viertel der Stadt. Andere fahren am Wochenende hierher, um sich auf die Wiesen unter die riesigen Bäume zu legen oder die große Terrasse eines Ausflugslokals zu besuchen. Ich habe den Luxus, nur ein paar Schritte über die Straße gehen zu müssen und schon bin ich im Waldpark und am Flussufer.
Während ich meine Schorle in kleinen Schlucken trinke, schaue ich wieder auf die Bäume, durch deren Äste und Blätter hier und da der von der Sonne beschienene Fluss aufblitzt. Gerade tuckert ein Frachtschiff vorbei. Dieses Geräusch mag ich sehr, vor allem abends, wenn ich im Bett liege.
Ich lebe hier also in einer gewissen Idylle, die bezahlt werden will. Doch wie lange kann ich mir das noch leisten? Mir geht das Gespräch mit meinem Chef durch den Kopf und ich frage mich, wie er auf den Gedanken kommt, ich könnte in der Firma unglücklich sein. Ich habe nie eine entsprechende Bemerkung gemacht oder es mir anmerken lassen, wenn mir wieder einmal alles zu viel wurde. Das geschah recht oft, denn Herr Gärtner ist ausgesprochen gut im Delegieren. Abgesehen davon bin ich jemand, der sehr sorgfältig arbeitet und das braucht nun mal seine Zeit.
Die Sonne scheint warm auf meine Beine. Wie schön wäre es, jetzt Urlaub zu haben. Mal zwei oder besser gleich drei Wochen, ohne den ganzen Tag unter künstlichem Licht zu verbringen, und in Ruhe überlegen zu können, was ich machen soll.
In der Firma bleiben? In einer Position, die ich nicht angestrebt habe und mit der Hoffnung im Herzen, die neuen Besitzer würden meine Fähigkeiten schnell erkennen? Diese Heuschrecken, die nur daran interessiert sind, das Unternehmen noch rentabler zu machen und mit möglichst viel Gewinn weiterzuverkaufen?
Ich schüttle den Kopf. Darauf, dass sie meine Leistungen entsprechend honorieren, könnte ich ewig warten. Oder besser gesagt bis zu dem Tag, an dem die Firma an einen neuen Besitzer übergeht. Denn damit würde dasselbe Spiel von vorne beginnen.
Oder aber versuchen, eine größtmögliche Abfindung auszuhandeln und mich zu verabschieden? Üblicherweise werden Mitarbeiter in diesem Fall freigestellt und erhalten bis zur regulären Kündigungsfrist ihr Gehalt. Ich wäre also auf der Stelle frei.
Doch was sollte ich mit dieser Freiheit anfangen? Außer Arbeiten kenne ich kaum etwas. Natürlich könnte ich meine Wohnung auf den Kopf stellen und putzen, meine privaten Unterlagen ablegen, Altes aussortieren und solche Dinge. Ich könnte mich auf den Balkon legen und lesen. Spaziergänge durch den Waldpark machen, mal wieder eine meiner früheren Freundinnen anrufen, für die ich schon lange keine Zeit mehr habe, meine Eltern besuchen …
Mein Magen hebt sich, als ich bei dem letzten Gedanken angelangt bin. Wie sollte ich meinem Vater beibringen, dass seine Tochter, in die er so riesige Erwartungen setzte und die es noch immer nicht geschafft hat, innerhalb der Firma aufzusteigen, nun arbeitslos ist?
Er darf von meiner Situation nichts erfahren!
Wüsste er, dass ich hier gerade auf der faulen Haut liege, würde er mir die Leviten lesen. Dass ich mich körperlich so richtig übel gefühlt habe, würde er nicht akzeptieren.
Schnell schiebe ich die Gedanken an ihn beiseite. Meine Eltern sind derzeit auf einer dreiwöchigen Kreuzfahrt. Meine Mutter wollte ins Mittelmeer, um die Sonne an Deck und die Kultur bei ihren Landausflügen zu genießen, aber mein Vater hat sich durchgesetzt.
Nun befahren sie seit gestern eine Nordkap-Route, etwas, das – Originalton mein Vater – nichts für Weicheier ist. Anstatt antike Stätten zu besichtigen und durch malerische Küstenorte zu schlendern, muss meine arme Mutter nun an seiner Seite frieren, was aber nichts Neues für sie sein dürfte. In seiner Gegenwart habe ich auch des Öfteren eine Gänsehaut bekommen.
Die Sehnsucht meiner Mutter kann ich gut nachempfinden, denn das Mittelmeer hat mich von jeher angezogen. Italien, Südfrankreich, Spanien, Kroatien … egal welches Land, solange es dort schön ist.
Ich habe noch fünfzehn Tage Resturlaub, kommt es mir in den Sinn.
Wie dumm ich doch die ganzen Jahre über war! Dumm, naiv und voller Hoffnung.
Einen Augenblick später schieße ich von meinem Sessel hoch. Mit einem Schmerzschrei halte ich mir den Kopf, denn das war zu ruckartig. Aber egal! Ich werde noch eine Tablette nehmen und dann werde ich in die Firma fahren, um das mit meinem Urlaub zu klären. Was habe ich schon zu verlieren?
Nichts, rein gar nichts!
Verhandlung
„Mariella, ich dachte, Sie wären krank!“, wundert Herr Gärtner sich, als ich sein Büro betrete.
„Ich hatte einen Migräneanfall, aber jetzt geht es mir etwas besser und deshalb bin ich zurückgekommen, um das Dringendste zu erledigen.“
Den wahren Grund, hier aufzutauchen, verrate ich ihm lieber erst später. Sich morgens krank zu melden, um nachmittags Urlaub zu beantragen, könnte bei ihm auf Widerstand stoßen. Daher werde ich zuerst ein wenig arbeiten.
„Nehmen Sie Platz“, fordert er mich auf.
Kaum sitze ich, schildert er mir, wie die morgendliche Besprechung abgelaufen ist, nachdem ich den Raum verlassen habe.
Ich höre ihm zu und gebe keine Kommentare ab, weil er die ohnehin nicht erwartet. Er will nur reden. Also nicke ich hin und wieder, während ich ihn betrachte und feststelle, dass ich ihn plötzlich mit anderen Augen sehe.
Bisher war er für mich immer der wohlwollende Chef eines großen Familienunternehmens, der zwar hohe Anforderungen an mich stellt, diese aber oft mit einem freundlichen Wort oder Lob abfedert.
Jetzt wirkt er ziemlich selbstgefällig, wie er hinter seinem Schreibtisch thront und sich in seinem Erfolg sonnt, ohne dabei an uns, seine Mitarbeiter, zu denken.
Hat er sich nicht heute Morgen noch Gedanken darum gemacht, dass ich unglücklich in der Firma sein könnte?, frage ich mich. Fast wie ein fürsorglicher Vater.
Doch war das überhaupt echt? Womöglich wollte er damit nur sein schlechtes Gewissen beruhigen. Ganz nach dem Motto ‚Zuckerbrot und Peitsche‘. Nur dass er zuerst die Peitsche eingesetzt hat, um anschließend Zucker über die Wunden zu streuen.
„Wo sind Sie mit Ihren Gedanken, Mariella?“
„Bei der Sache“, erkläre ich, wenn auch bei einer anderen als er.
„Gut, dann machen Sie sich jetzt bitte an die Arbeit.“
Ich sehe ihn fragend an. Habe ich etwas überhört? Hat er mir einen Auftrag gegeben?
„Sie wollten doch das Dringendste erledigen, haben Sie vorhin gesagt.“
Ich unterdrücke ein erleichtertes Aufatmen, erhebe mich und verlasse sein Büro.
Einen Augenblick später sitze ich an meinem Schreibtisch und beantworte Mails, als plötzlich Heidi neben mir steht.
„Was sagst du zu den neuesten Entwicklungen?“, kommt sie gleich auf den Punkt.
„Nun ja … Darüber wird sich in der Firma kaum jemand freuen“, antworte ich bewusst neutral.
„Vor allem nicht diejenigen, die fliegen werden.“
Mir ist klar, dass sie auf meine Frage wartet, wer das sein wird. Aber ich habe keine Lust auf ihre Spielchen. Sie will sich nur mit ihrem Wissen brüsten. Deshalb zucke ich nur mit den Schultern.
„Du hast noch Migräne?“, scheint sie nach einer Begründung für meine Zurückhaltung zu suchen.
„Ja, leider“, stimme ich ihr zu, um das Gespräch zu beenden.
„Dann lasse ich dich mal allein“, entscheidet sie und schon ist sie wieder draußen.
Ich atme auf und wende mich meinem Bildschirm zu. Nachdem ich alle Nachrichten beantwortet habe, betrete ich erneut das Büro meines Chefs.
„Was gibt es, Mariella?“, fragt er knapp.
Ich habe anscheinend einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Aber wenn ich mich jetzt von ihm abwimmeln lasse, muss ich bis morgen warten. Dann verfalle ich womöglich wieder in mein übliches Verhalten, die Dinge hinzunehmen, wie sie sind, statt sie zu ändern.
„Haben Sie drei Minuten für mich?“
Mit gerunzelter Stirn sieht er mich an.
„Höchstens zwei.“
„Herr Gärtner, ich möchte Sie um Urlaub bitten“, sage ich mit bemüht fester Stimme, denn ich fühle mich wie ein Schulmädchen, das darum bittet, während des Unterrichts zur Toilette gehen zu dürfen. Also etwas, das selbstverständlich sein sollte.
„Ich habe noch fünfzehn Tage aus dem alten Jahr“, füge ich zur Bekräftigung hinzu, damit ihm klar ist, wie sehr ich die Arbeit über meine freie Zeit gestellt habe.
„Das kommt aber sehr plötzlich. Ich glaube nicht, dass ich in der aktuellen Phase auf Sie verzichten möchte.“
Mein Herz schlägt heftig gegen meine Brust. Er legt es also auf einen Kampf an.
„Es tut mir sehr leid, aber ich fühle mich völlig erschöpft. Vielleicht sollte ich nachher zum Arzt gehen und mich durchchecken lassen.“
Diese versteckte Drohung ist natürlich nicht korrekt, aber ich werde nicht nachgeben, wie ich es in der Vergangenheit immer getan habe, wenn er mich bat, samstags ins Büro zu kommen, weil er einen Termin verbummelt hatte, oder wenn ich bis in die Nacht an meinem Schreibtisch sitzen musste, um eine kurzfristige Arbeit fertigzubekommen.
Er scheint die Botschaft verstanden zu haben, denn seine Mundwinkel wandern nach unten.
„So einen erschöpften Eindruck machen Sie gar nicht auf mich.“
Wieder steigt die Wut von heute Morgen in mir hoch. Nimmt er mich jetzt in die Beweispflicht?
„Wenn sich jemand den Arm gebrochen hat, ist es natürlich ersichtlicher. Ich habe sehr oft Migräne. Bisher habe ich das immer vor Ihnen verborgen. Aber mein Arzt kann Ihnen bestätigen, dass er mir schon oft Tabletten verschreiben musste.“
„Und jetzt wollen Sie Ihr Problem nicht mehr vor mir verbergen?“
„Würde ich. Wenn ich könnte“, antworte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen.
„Sie wollen also Ihren Resturlaub nehmen? Anfang Mai? Damit sind Sie zwei Monate zu spät dran.“
Ich schaue ihm fest in die Augen, obwohl mein Herz noch einen Takt zulegt.
„Ich habe von der Personalabteilung keinen schriftlichen Hinweis darauf bekommen, dass er verfällt.“
„Aber das wissen Sie doch auch so.“
„Ohne offizielle Erinnerung stehen mir die fünfzehn Tage zu“, bleibe ich bei meiner Aussage.
„Das muss ich mit der zuständigen Mitarbeiterin abklären.“
„Ich habe auch für dieses Jahr schon einige Urlaubstage angesammelt“, werfe ich ein.
Er durchbohrt mich mit seinem Blick, während ich mich fühle, als würde ich immer kleiner auf dem Stuhl werden. Von seinem Wohlwollen von heute Morgen ist nicht einmal ein Hauch übriggeblieben.
„Wer soll Ihre Arbeit während Ihrer Abwesenheit übernehmen?“
„Wie immer Ihre Sekretärin“, presse ich hervor.
„Wenn Sie glauben, Sie könnten sich das gerade jetzt in dieser Phase unserer Verkaufsverhandlungen erlauben, dann tun Sie das.“
Ja, das denke ich nach dem Schock, den Sie mir und meinen Kollegen heute schon versetzt haben, würde ich ihm am liebsten an den Kopf werfen.
Aber das verbietet sich genauso wie die Frage, ob er es in Ordnung findet, mich emotional unter Druck zu setzen.
„Das tut mir leid, aber ich kann nicht anders. Es geht mir wirklich nicht gut.“
„Ab wann und wie lange?“, fragt er mit strengem Gesichtsausdruck.
Ich schlucke schwer, bevor ich zu einer Antwort ansetze.
„Ich könnte alles Offene heute noch erledigen und die Übergabe mit Ihrer Sekretärin machen. Ab morgen wäre ich dann für drei Wochen weg.“
Natürlich hätte ich nur um eine Woche bitten können. Aber ich will nicht. Es ist, als hätte sich in meinem Inneren ein Schalter umgelegt. Ich habe genug davon, brav alles zu machen, was von mir verlangt wird und mich für diese Firma aufzuopfern.
„Obwohl es Ihnen so schlecht geht, wollen Sie die ganze Arbeit noch heute schaffen?“
Verdammt! Jetzt geben Sie sich doch endlich geschlagen!, fluche ich lautlos.
„Es wäre nicht das erste Mal, dass ich derart Unmögliches hinbekomme.“
„Dann soll es so sein“, sagt er hoheitsvoll und beugt seinen Kopf über seine Unterlagen, um mir zu demonstrieren, dass ich zu gehen habe.
Mit zitternden Knien eile ich hinaus, aber ich klopfe mir auch auf die Schultern.
Gut gekämpft – und gewonnen!
Heidelberg
Die nächsten beiden Tage verbringe ich damit, zu schlafen, meinen Chef und die Entscheidung, die auf mich zukommen wird, aus meinem Kopf zu drängen und mir stattdessen zu überlegen, was ich mit meinem Urlaub anfangen soll.
Zu Hause will ich nicht bleiben, denn hier kann ich nicht abschalten. Zuerst wollte ich irgendwohin ans Mittelmeer fliegen, aber da ich nicht weiß, was mir die Zukunft bringt, will ich mein Geld zusammenhalten.
Heute bin ich sehr früh aus einem Traum aufgewacht, in dem ich durch Heidelberg spaziert bin und mein Herz vor Glück fast übergelaufen ist. Am liebsten hätte ich das Gefühl in Seidenpapier gepackt und in einer Kiste verstaut, um es immer wieder herausholen und mich daran wärmen zu können.
In diesem Moment ist mir klargeworden: Genau dort muss ich hin! Nicht in die Kiste, aber in das Städtchen am Neckar mit der romantischen Schlossruine im Hintergrund.
Vielleicht könnte ich in meinem Geburtsort das wiederfinden, was ich verloren habe, selbst wenn ich noch nicht so recht weiß, was es ist. Denn wenn mir auch nicht gefällt, was Herr Gärtner gesagt hat, so ist mir dennoch in den beiden Tagen zu Hause gedämmert, dass er absolut recht hat mit seiner Vermutung, dass mich mein Job eher bedrückt als beglückt.
Also stehe ich trotz der frühen Stunde auf, schalte mein Notebook ein, setze mich an den Küchentisch und suche nach einem romantischen Hotel direkt am Fluss.
Was ich finde, hat natürlich seinen Preis und als ich ihn entdecke, zucke ich zusammen. Also schaue ich nach einem einfacheren Hotel in der Altstadt und werde fündig. Doch auch hier werde ich ein ordentliches Sümmchen hinlegen müssen.
Ich mache mir einen Tee und während ich ihn ziehen lasse, treffe ich eine spontane und unvernünftige Entscheidung. Denn weder will ich irgendwo außerhalb übernachten noch in einem seelenlosen Bunker.
Deshalb buche ich. Aber drei Nächte beziehungsweise vier Tage müssen reichen, mich auf die Suche nach der Abzweigung zu machen, an der ich falsch abgebogen bin, um zurück auf meinen Weg zu finden.
Ganz schön hochgesteckte Ziele, denke ich, als ich Sommerkleider, dünne Hosen, Blusen und – wegen des Kopfsteinpflasters – flache Schuhe in meinen Trolley packe.
Kurz vor zehn bin ich fertig und kaum stehe ich vor der Haustür, kommt auch schon das Taxi angefahren, das mich zum Hauptbahnhof bringen soll. In Heidelberg wird es schwierig sein, einen kostenlosen oder zumindest bezahlbaren Parkplatz zu finden und in der Altstadt, wo sich das Hotel befindet, ist es völlig aussichtslos. Deshalb habe ich beschlossen, mit dem Zug zu fahren.
Eine halbe Stunde später sitze ich auf meinem reservierten Platz und bin voller Vorfreude. Ein Gefühl, das ich schon länger nicht mehr gespürt habe.
Dennoch ist mir auch ein wenig mulmig zumute. So viel Zeit ist vergangen, seit ich das letzte Mal dort war. Vielleicht ist es eine dumme Idee, diese Reise in die Vergangenheit anzutreten? Sollte sie mir nichts bringen, wäre ich zutiefst enttäuscht und hätte auch noch eine Menge Geld ausgegeben. Aber nun sitze ich schon im Zug und dort werde ich auch bleiben, bis ich am Ziel bin.
Natürlich könnte ich die Haltestelle Hauptbahnhof Heidelberg ignorieren, auf meinem Platz kleben bleiben und weiterfahren. Irgendwohin, wo keine Schatten aus meiner Vergangenheit auf mich warten und wo ich ganz entspannt meinen Urlaub verbringen kann, um mir darüber klarzuwerden, wie mein Leben weitergehen soll. Wer will mich denn daran hindern? Jemand, der den Platz nach mir reserviert hat?
Das Gesicht meines Vaters taucht vor meinem inneren Auge auf und ich höre, wie er einen seiner Sprüche sagt: ‚In unserer Familie führt man zu Ende, was man begonnen hat.‘
Das waren die Worte, die mich dazu angetrieben haben, mein Betriebswirtschaftsstudium durchzuziehen, obwohl ich schon in der ersten Woche gemerkt habe, dass es das Falsche für mich ist.
Während ich mich mit derartigen Gedanken herumschlage, nähern wir uns unaufhaltsam dem Ziel. Gerade haben wir Wiesloch passiert. An der nächsten Station muss ich reagieren. Irgendwie.
Während ich noch denke, ich hätte die Freiheit, meine Entscheidung zu treffen, ist mir gleichzeitig klar, dass es sich dabei um eine Illusion handelt, denn ich werde das tun, was ich immer tue.
„Hauptbahnhof Heidelberg“, schallt es aus den Lautsprechern.
Ich packe mein Buch in die Handtasche und hole meinen Trolley aus dem Fach über dem Sitz. Dann gehe ich zur nächsten Tür und schaue nach draußen in die Landschaft, die mir mit den Bergen des Odenwalds und den Rapsfeldern, die sich die Schienen entlangziehen, sehr vertraut ist.
Wir nähern uns den ersten Gebäuden der Stadt, kurz darauf fahren wir in den Bahnhof ein und der Zug hält an.
Minuten später sitze ich wieder in einem Taxi für die kurze Strecke quer durch die Stadt. Während ich aus dem Fenster schaue, schießen Erinnerungen in mir hoch. Wir haben zwar in Wieblingen gelebt, einem Vorort von Heidelberg, aber sobald ich ins Teenageralter kam, war ich oft mit meiner Freundin in der Innenstadt unterwegs.
Nachdem wir die nüchterne Bahnhofsgegend verlassen haben und auf den Neckarstaden einbiegen, erblicke ich den Fluss, dessen Oberfläche im Sonnenlicht glitzert und gegenüber den Hang mit den Villen der Wohlhabenden und dem Philosophenweg.
Wenig später tauchen die Türme der Heiliggeistkirche auf und auf dem Hang rechts entdecke ich die rötlichen Ruinen des berühmten Heidelberger Schlosses. Dann biegt das Taxi ab und hält vor dem Hotel mitten in der Altstadt.
Passend zum Namen des Stadtteils sieht es schon ein wenig altersschwach aus, aber als ich es betrete, strömt mir die pure Gemütlichkeit entgegen.
Hinter der kleinen Rezeption steht eine junge Frau und als sie mich sieht, schenkt sie mir ein strahlendes Lächeln.
„Herzlich willkommen in unserem Haus“, begrüßt sie mich.
Nach den üblichen Formalitäten und der Frage, ob ich jemanden brauche, der mir mit meinem Gepäck hilft, gibt sie mir die Zimmerkarte.
„Danke, das schaffe ich alleine. Mein Trolley ist nicht schwer.“
Ich steige die knarzenden Holzstufen nach oben. Mein Zimmer liegt direkt unter dem Dach. Es ist klein und durch die Schräge wirkt es sehr heimelig. Die weißen Tischchen neben dem Bett, der antike, kleine Schreibtisch und der Ohrensessel unterstreichen das angenehme Gefühl, sich nicht in einem Hotel, sondern einem hübsch eingerichteten Zuhause aufzuhalten.
Ich gehe die zwei Schritte zum Sprossenfenster, öffne es, um die warme Luft hereinzulassen, und atme zuerst einmal tief durch. Wenn ich den Kopf ein wenig nach draußen strecke, kann ich sogar das Schloss sehen.
Zufrieden mit meiner Wahl packe ich den Trolley aus. Dann stehe ich für einen Moment unschlüssig im Zimmer.
Und jetzt?, frage ich mich.
Es ist ein seltsames Gefühl, in einer Stadt zu sein, die mir gleichermaßen vertraut und fremd ist. Hinzu kommt, dass ich tagsüber mitten unter der Woche frei über meine Zeit bestimmen kann. Natürlich könnte ich Verwandte besuchen, die in einem Ort in der Nähe wohnen. Aber ich will mich bewusst nur mit mir alleine auseinandersetzen. Schließlich habe ich eine Mission.
Deshalb nehme ich meine Tasche und gehe nach unten. Im Foyer treffe ich dieses Mal auf eine ältere Frau, die Blumen in einer Vase arrangiert.
„Guten Tag“, begrüßt sie mich und streckt mir ihre Hand entgegen. „Ich bin Lotte Weber. Die Großmutter der Besitzerin. Sehr erfreut, Sie kennenzulernen.“
„Mariella Sommer. So freundlich wurde ich bisher noch in keinem Hotel begrüßt.“
„Das ist bei uns so üblich. Unsere Gäste sollen sich wie zu Hause fühlen. Sie haben einen sehr schönen Namen!“
„Meinen Sie Sommer? Danke. Ich finde ihn auch besser als Herbst oder Winter.“
Sie sieht mich irrtiert an, doch einen Augenblick später lacht sie.
„Sie sind neu angekommen, richtig? Kann ich Ihnen helfen? Brauchen Sie einen Stadtplan oder einen Tipp, was Sie unternehmen könnten?“
„Danke, das ist sehr lieb von Ihnen, aber ich kenne Heidelberg noch von früher. Ich bin hier aufgewachsen. Aber vielleicht können Sie mir verraten, wo ich einen italienischen Espresso bekomme?“
„Wissen Sie, wo die Steingasse ist? Dort gibt es das Casa del Caffè. Das kann ich Ihnen empfehlen.“
„Ist das die schmale Straße, die zur Alten Brücke führt?“
„Ganz genau.“
„Dann weiß ich es. Herzlichen Dank.“
Ich verlasse das Hotel, gehe in die Fußgängerzone und schaue mich neugierig um. Manche Läden kenne ich noch von früher, andere sind neu. Wieder überkommt mich dieses Gefühl, mich hier einerseits heimisch und andererseits erschreckend fremd zu fühlen.
Zum Caffè ist es nicht weit und weil es so schön warm ist, setze ich mich draußen an einen der kleinen Tische. Ich bestelle mir einen Espresso und – weil ich Hunger habe – ein Ciabatta mit Parmaschinken und Parmesankäse.
Dann lasse ich meinen Blick zur Alten Brücke schweifen und nehme mir vor, nachher einen Spaziergang auf die andere Neckarseite zu machen.
Und danach? Ich bin hier, um in meine Vergangenheit abzutauchen. Aber wo beginne ich und wie?