49 Bonus
Ich hätte es mir nicht so vorgestellt! Dieser Augenblick, in dem ich mein Baby in den Armen halte. Mein süßer kleiner Junge ist von der langen Geburt so erschöpft, dass er sofort auf meiner Brust einschläft. Aber vorher, als er das Licht der Welt erblickt hat, war er erst einmal frech, denn er hat beim Rausschlüpfen im hohen Bogen den Arzt angepinkelt!
Ich bin ebenfalls erschöpft, denn nachdem die Fruchtblase geplatzt war, hatte ich stundenlang Wehen, ohne dass sich etwas getan hat. Auf der Geburtsstation war die Hölle los. Anscheinend gab es eine Menge Babys, die Sonntagskinder werden wollten. Die Hebammen schauten immer nur kurz bei mir vorbei. Weil meine Wehen sich so lange hingezogen haben, gab es zweimal Personalwechsel.
Zum Glück war mein Schatz die ganze Nacht und den halben nächsten Tag an meiner Seite und hat mir Mut zugesprochen, wenn ich verzweifelt und durch die vielen Wehen so zermürbt war, dass ich geweint habe.
Nach zwanzig Stunden wurde mir eine Periduralanästhesie empfohlen.
„Oder wir müssen einen Kaiserschnitt machen“, hat der Arzt mir regelrecht gedroht.
Mein Unterleib war dadurch derart betäubt, dass ich nichts mehr gespürt habe und meine Beine weggeknickt sind, als ich aufstehen wollte, um die Toilette zu benutzen. Zum Glück stand Jan neben mir und hat mich aufgefangen.
Zum Ende des Geburtsprozesses ist die Hebamme bei mir geblieben, um mir zu sagen, wann ich pressen musste.
Aber es war so erleichternd, von den Schmerzen befreit zu sein und so habe ich die Geburt viel entspannter erlebt als zuvor. Zu dem Zeitpunkt wusste ich ja noch nicht, dass das restliche Fruchtwasser schon grün war und deshalb schnell gehandelt werden musste.
Und dann war das Schätzchen endlich da und es ist so hübsch, so niedlich, ein Traum. Aber vor allem ist er trotz aller Schwierigkeiten gesund! Wenn ich ihn betrachte, sind alle Strapazen vergessen.
Als er endlich seine Äuglein öffnet, sehe ich zum ersten Mal so richtig, wie tiefblau sie sind. Aber das soll ja bei allen Babys so sein.
„Du warst so tapfer, mein Liebes. Ich bin stolz auf dich“, sagt Jan, der neben mir auf der Bettkante sitzt und uns liebevoll anschaut.
„Was Thilda wohl zu ihrem Brüderchen sagen wird?“, frage ich.
Wir sind schon seit Freitagabend auf dem Festland, weil die nächste Entbindungsklinik in Norden liegt. Da wir nicht wussten, wann genau es losgeht, wollten wir kein Risiko eingehen.
Ich wische die Erinnerung an die vergangenen Stunden beiseite und genieße lieber das unglaubliche Glücksgefühl, dass unser kleiner Junge an meiner Brust liegt und sofort verstanden hat, was er tun muss.
„Hast du Durst nach der ganzen Anstrengung?“, murmle ich und streiche über den blonden Flaum auf seinem Köpfchen.
„Er ist das schönste Baby der Welt“, schwärmt Jan und gibt mir einen Kuss auf den Scheitel.
„Ja, das ist er. Er ist ja unser Baby und Thildas kleiner Bruder. Sie war auch so schön“, sage ich lächelnd.
In den letzten Wochen haben wir oft zusammen Babyfotos von ihr angeschaut und haben ihr erklärt, dass sie an der Brust ihrer ersten Mama liegt, die jetzt vom Himmel auf sie herabschaut.
„Oh ja, sie war zuckersüß“, bestätigt Jan.
„Wann holst du sie?“
Zum Glück sind meine Eltern angereist und kümmern sich um die Kleine. Die gegenseitige Liebe ist groß. Darüber sind wir sehr erleichtert. Denn ihre andere Oma hat sich zurückgezogen, seit ich bei Jan lebe. Sie lässt sich nur noch an Feiertagen oder zu Thildas Geburtstag blicken.
Ich bin nicht böse drum, denn diese Frau ist mir einfach zu gefühlskalt und zu streng zu unserem Kind. Am Anfang wollte sie mir Erziehungstipps geben.
„Disziplin ist das Wichtigste“, hat sie erklärt. „Und Gehorsam.“
Ich habe nur den Kopf geschüttelt, weil ich nicht glauben konnte, dass in der heutigen Zeit jemand so spricht.
Doch Jan hat ihr sofort Grenzen gesetzt.
„Liebe ist das Wichtigste, was Thilda braucht“, hat er gesagt. „Alles andere ist zweitrangig. Lotta ist eine sehr gute Mutter für sie.“
„Stiefmutter!“, hat sie ihn korrigiert.
„Wir mögen dieses Wort nicht und bitten dich, es gegenüber unserer Tochter nicht zu benutzen.“
„Dann werde ich hier wohl nicht mehr gebraucht.“
Wir haben ihr nicht widersprochen.
Daraufhin ist sie beleidigt abgerauscht und meldet sich fast nur noch, sobald sie Jans Hilfe braucht.
„Bleibst du über Nacht hier?“, frage ich ihn.
Wegen der schwierigen Situation, wenn man auf Norderney lebt und auf die Fähre angewiesen ist, hat man ihm angeboten, ein Bett für ihn ins Zimmer zu schieben. Er kann kaum noch seine Augen aufhalten, denn er war die Nacht über genauso wach wie ich und jetzt ist schon der Nachmittag angebrochen.
„Ich wüsste nichts, was ich lieber tun würde“, antwortet er und versucht, ein Gähnen zu unterdrücken.
„Aber ich weiß etwas“, sage ich. „Doch du musst warten, bis er zu Ende getrunken hat.“
Dann werde ich ihm unseren kleinen Nils in die Arme legen.
„Falls du es schaffst, bis dahin deine Augen offenzuhalten“, füge ich mit einem leisen Lachen hinzu.
„Das kriege ich ihn. Darauf kannst du dich verlassen.“
***
Am nächsten Vormittag wollen meine Eltern kommen und haben natürlich unsere Thilda mit dabei. Alle drei werden sehr aufgeregt und neugierig sein, denn für sie ist die Situation genauso neu wie für mich. Während der Schwangerschaft habe ich Thilda immer wieder gesagt und sie fühlen lassen, wie sehr ich sie liebe und dass in meinem Bauch ihr Brüderchen heranwächst.
Ich habe Bilderbücher gekauft, damit sie sich das leichter vorstellen kann. So oft hat sie mit ihrem Kopf auf meinem Bauch gelegen und ihr Brüderchen umarmt und war ganz entzückt, wenn sie seine Bewegungen gespürt hat. Als mein Bauch immer dicker wurde, hat sie sich neben mich gekuschelt und besitzergreifend ihren Arm über mich gelegt.
In unser Haus ist so viel Liebe eingezogen, dass ich manchmal aus Rührung ein paar Tränen vergieße.
Thilda tut es so gut, dass sie endlich eine Mama hat, und ich wünsche mir sehr, dass sie sich durch das neue Menschlein, das in unsere Familie kommt, nicht ausgeschlossen fühlt.
„Mach dir keine Gedanken“, sagt Jan, der wieder neben mir auf dem Bett sitzt, als ich ihn daraufhin anspreche. „Wir haben unser Töchterchen sehr gut darauf vorbereitet, dass sie jetzt eine große Schwester ist.“
Ich nicke und da öffnet sich auch schon die Tür. Thilda bleibt erst einmal stehen und schaut mit aufgerissenen Augen, wen ich da plötzlich im Arm halte.
„Komm her, mein Schatz“, fordere ich sie auf.
Meine Mutter schiebt sie sanft ins Zimmer. Als sie vor meinem Bett steht, hebt Jan sie hoch und schon ist der Bann gebrochen.
„Ist der aber klein“, sagt Thilda und streckt ihre Hand aus, um ihm über das Köpfchen zu streicheln.
„So klein warst du auch mal“, erklärt ihr Vater.
„Zieh deine Schuhe aus, dann kannst du dich zu uns kuscheln“, schlage ich vor und einen Augenblick später liegt sie schon neben uns, hat den Arm um mich geschlungen und betrachtet das kleine Wunder.
„Kann er reden?“, fragt sie.
Lachend erklären wir ihr, dass das noch eine Weile brauchen wird.
„Mit mir spielen kann er auch noch nicht?“, will sie wissen.
„Das dauert ebenfalls ein bisschen. Aber bald werden wir zusammen auf den Spielplatz gehen und rutschen.“
„Und schaukeln?“, fragt sie.
„Natürlich.“
„Und wippen?“
„Ja.“
„Und Eis essen?“
„Du darfst Eis essen und dein Brüderchen schaut dir dabei zu“, erkläre ich.
„Und wenn er größer ist, darf er auch Erdbeereis haben? Und Vanille!“
Jan ist längst aufgestanden und hat drei Stühle für meine Eltern und sich selbst ans Bett geschoben. Meine Mutter sieht Nils ganz sehnsüchtig an.
„Wir haben unsere Hände desinfiziert“, winkt sie mit dem Zaunpfahl und da reiche ich ihr lächelnd mein Baby, damit sie es halten kann.
„Ist der niedlich! Er sieht genauso aus wie du, als du auf die Welt gekommen bist“, stellt sie fest.
„Ja, das ist so“, bekräftigt mein Vater.
„Ist es schön mit Oma und Opa?“, frage ich Thilda.
„Ja!“, antwortet sie mit einem zufriedenen Lächeln. „Opa liest mir etwas vor und Oma hat mir Pfannkuchen gebacken.“
„So schön, dass ihr euch um sie kümmert.“
„Das ist doch wohl selbstverständlich“, brummt mein Vater. „Wir haben uns ja extra Urlaub genommen, damit wir euch unterstützen können.“
„Ihr seid die besten Großeltern, die man sich nur wünschen kann“, sagt Jan.
Glücklich schaue ich vom einen zum anderen. Wieder schießen mir Tränen in die Augen.
„Was ist denn los?“, fragt Jan bestürzt. „Hast du Schmerzen?“
Ich schüttle den Kopf.
„Das sind sicher die Hormone“, sagt mein Vater.
Dieses Mal nicke ich. Aber nur halbherzig. Denn ich weine aus einem anderen Grund.
Jan greift nach einem Taschentuch und wischt mir über die Wangen. Ich nehme seine Hand und halte sie.
Dann beugt er sich nach vorne, gibt mir einen Kuss und flüstert mir etwas ins Ohr.
„Die Liebe ist es, die dich zum Weinen bringt.“
„Ja“, flüstere ich zurück. „Die Liebe zu dir, zu unseren Kindern und zu meinen Eltern. Ich könnte die ganze Welt umarmen.“
„Beginne doch erst einmal mit mir“, fordert er mich lächelnd auf und schiebt seinen Arm unter meinen Nacken. „Ich liebe dich, Lotta. Jetzt und für alle Zeiten.“
„Und ich liebe dich“, antworte ich und küsse ihn voller Zärtlichkeit.
Ich habe das Buch wieder an einem Tag verschlungen. Ich liebe diese Bücher und warte schon wieder auf
das Nächste.
Liebe Karin,
ganz herzlichen Dank für deine schöne Rückmeldung. Das Buch an einem Tag verschlungen … Darüber freue ich mich sehr.
Das nächste ist schon in der Planung. Ich werde dich gerne darüber informieren, wenn es erscheint.
Liebe Grüße von Cleo
Liebe Cleo
Danke
Ich habe mitgeliefert, gelacht und war nachdenklich.
Es ist so nah am Leben
Die Bonusgeschichte hat es abgerundet und ich hoffe das es weitere Besuche auf Norderney gibt und man die liebgewonnenen Charaktere weiter begleiten darf
Vielleicht ist Lotta dann sogar Teil des Friesenstübchens.
Ich bin gespannt und freue mich auf die nächste Auszeit mit dir.
LG aus Wuppertal
Sabine
Liebe Sabine,
danke für diese wundervolle Rückmeldung. Ich freue mich gerade sehr darüber.
Die nächste Reise geht wieder nach Mallorca. Aber danach ist noch alles offen. Mir schwirrt für Lotta gerade ein Gedanke durch den Kopf.
Liebe Grüße nach Wuppertal von Cleo
Okay, diesmal habe ich auch einen ganzen Tag gebraucht. Bei den anderen Bänden habe ich zwei an einem Tag geschafft, bei schönem Wetter auf der Terrasse. Allerdings hatte ich die auf einen Schlag, jetzt muss ich warten, bis der nöchste Band kommt.
Liebe Heike,
das ist immer noch superschnell! Herzlichen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Band.
Liebe Grüße, Cleo